Zertifikate

Zertifikate? Bis vor Kurzem habe ich sie nie eines zweiten Blickes gewürdigt. Aktien, Fonds, Optionsscheine oder Anleihen- das waren meine Standardvehikel als Anleger. Bis mich letztens ein Kollege darauf aufmerksam gemacht hat, dass Zertifikate gar nicht so schlecht sind. Und ich realisiert habe, dass die Zertifikate, die aufgrund ihrer Themen zufällig in meinem Portfolio gelandet sind, sehr gut performt haben. Also habe ich doch einen zweiten Blick gewagt.

Ich bin also losgezogen und habe mir ein Buch besorgt: Generation Zertifikate von Deutschlands Zertifikateexperten Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger. Ganz ehrlich: viel habe ich von dem Buch nicht erwartet, aber jetzt gehört es zu meiner Liste der besten Börsenbücher ever. Die "alten" Methoden des Investierens werden unter die Lupe genommen. Von Kostolanys mittlerweile überholten "Kauf Dir gute Aktien und leg’ Dich schlafen"-Methode, den Fehlgriffen mit Aktieneinzelselektionen, den Schneballsystemen bei Finanzberatungen und den überbezahlten Fondsmanagern, von denen zwischen 60 und 90 Prozent für eine schlechtere Performance als dem Benchmark sorgen.

Zertifikate sind da eine sehr gute Alternative. Bei ihnen handelt es sich um strukturierte Finnazprodukte, die die Wertenwicklung verschiedenster Underlyings (Indizes, Aktien, Anleihen, Rohstoffe, etc.) abbilden, evtl. noch bestimmte Zusatzfeatures wie Sicherheitspuffer aufweisen und direkt an der Börse handelbar sind. Sie besitzen vor allem folgende Vorteile:

  • Geringer Ausgabeaufschlag (i.d.R. 1 Prozent)
  • Geringe bis gar keine laufenden Kosten (da häufig nur ein Index abgebildet wird)
  • Bessere Performance als Fonds und Aktientitelselektion

Stimmt das? Beim einem Vergleich des Franklin Templeton mit einem vergleichbaren Indexzertifikat stimmt das schon. Der von Finanzberatern aufgrund hoher Provisionen so oft empfohlene Fonds schlägt mit 5,54% Ausgabeaufschlag und einem Total Expense Ratio (jährliche laufende Kosten eines Fonds) von 1,87% zu Buche. Diese 7,4% muss der Fonds im ersten Jahr erstmal aufholen, damit überhaupt Gewinn entsteht. Dafür, dass der Benchmark (MSCI World) Jahr für Jahr konsequent in der Performance unterboten wurde (!), ist der Fonds mir zu teuer… Mit dem Indexzertifikat auf den MSCI World der Raiffeisen Centrobank (WKN: 609407), das für einen Ausgabeaufschlag von ca. 1% und 0% laufenden Kosten zu haben ist, hätte man deutlich besser abgeschnitten.

Die Studien des Buches haben mich nachdenklich gemacht und ich habe eine Konsequenz gezogen: Der Franklin Templeton Growth und der DWS Vermögensbildung I aus meinem Portfolio sind aus dem Rennen. Das Geld dieser Flagschiff-Underperformer steckt jetzt in dem DWS GO Emerging Markets Infrastrukturzertifikat (WKN DWS0GF, 10% in einem Monat), dem UBS Asien REIT Top 20 (WKN: UB9ASH, ca. 35% seit 8 Monaten) und dem Emerging Global Challenger Zertifikat (WKN: GS6BAN, 15% seit Jahresanfang). Zwei davon dürften Dir ja durch die Ankündigung der Transaktionen bekannt sein. Die anderen Fonds haben noch eine Daseinsberechtigung für mich, da sie gut performen, u.a. der DWS Asien Top 50 oder der DWS Invest BRIC Plus.

Überprüfe mal Dein Portfolio- mit hoher Wahrscheinlichkeit ist einer der bei mir entsorgten Fonds da drin? Dann wäre es vielleicht an der Zeit, mal ein entsprechendes Zertifikat zu suchen.

Des weiteren habe ich Zertifikatesparpläne eingerichtet, auf die ab Beginn nächsten Monats einige Euros fließen sollen. Dazu mehr in meinem nächsten Beitrag.

Noch ein Tip am Rande: ABN Amro ist die Zertifikatebank Nr. 1. Um auf dem laufenden zu bleiben, gibt es einen wöchentlichen Zertifikate-Newsletter mit sehr informativen Marktberichten und eine monatliche Zeitschrift über die Märkte per Post. Die Informationen darin können durchaus so manchen Börsenbrief ersetzen. Hier der Link:

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4 Reaktionen zu “Zertifikate”

  1. Geldseiten

    Ich habe meinen Einstieg in die “Welt der Zertifikate” auch über dieses Buch gemacht. Es ist verständlich und unterhaltsam geschrieben und liefert doch viele Infos zum Thema.

    Ich investiere zum grössten Teil in Zertifikate, vor allem auch wegen der Absicherungsmöglichkeiten gegen Kursrückgänge (der nächste Crash kommt bestimmt…).

  2. Olli

    Die Laufenden Kosten sollten nicht unterschaetzt werden. Oft sind sie nicht so Durchsichtig wie es auf den ersten Blick scheint, und gerade bei einem Index in einem Hebelzertifikat fallen zum Teil nicht unerhebliche Finanzierungskosten an.

  3. webmaster@pfblog.de

    Für die Absicherungsmöglichkeiten in einem Zertifikat zahlst Du aber auch immer drauf, in welcher Form auch immer. Ich hinterlege für alle meine Investments Stoppkurse, und wenns in die andere Richtung geht, bin ich irgendwann nicht mehr dabei.

  4. webmaster@pfblog.de

    Noch eine Frage: Wo investiert ihr denn so? Ich bin immernoch am überlegen, wie mein Zertifikatesparplan Nr.2 aussehen soll. Bei Nr. 1, 450 EUR ab nächsten Monat, weiß ich schon Bescheid. Aber die zweiten 450- nach Japan? In Umweltthemen? Oder in Dividendentitel im Raum Asien? Randbedingung ist natürlich, dass es auch Sparpläne darauf geben muss.

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