Aus aktuellem Anlass: Jobsicherheit & finanzieller Schutz

Etwa ein Jahr ist es her, als ich ein Fortune 500 Beratungshaus verlassen habe, um in einem kleinen Startup die Herausforderung zu suchen. Eine spannende Zeit: wir mussten den Laden expandieren, mit dem Ziel, eines Tages den Exit machen zu können und unsere Aktienoptionen zu verkaufen. Unsere Aufgaben haben wir in einem GmbH-Mantel erledigt, der zu 100% der amerikanischen Mutter gehört.

Nun das Problem: Unsere vier großen Investoren warten nunmehr schon seit 7 Jahren darauf, dass das Gesamtgeschäft Cashflow-positiv wird, damit das Unternehmen verkauft werden kann. Normalesweise peilen Investoren einen Zeitraum von 4-5 Jahren an. Wir im Europageschäft sind schon lange Cashflow-positiv, aber die Ergebnisse werden in unserer Mutter konsolidiert, die immer noch nicht Cashflow-positiv ist. Unsere Investoren üben nun Druck aus. Nach vielen Kosteneinsparmaßnahmen kam jetzt die unsinnige Idee, die gesamten Beratungsleistungen outzusourcen, um so mit Schwankungen in der Auslastung besser umgehen zu können.

Genau diese Maßnahme, von der wir von einen Tag auf den anderen erfuhren, betrifft auch meinen Job. Mitspracherechte haben wir kaum, da die GmbH nicht uns gehört. Würde uns das Unternehmen gehören, könnten wir selbst entscheiden, aber den Luxus haben wir als Angestellte nicht. Wir sind dabei, verschiedene Optionen durchzudenken und werden sicher zu einer brillianten Lösung kommen.

Egal, ob Du Dich in Sicherheit wähnst oder nicht- als Angestellter kann man ganz schnell auf dem Abstellgleis landen, ohne darauf Einfluss zu haben. Und gerade dann ist es so wichtig, finanziellen Schutz, den sog. "Notgroschen" zu haben. Das gilt natürlich auch dann, wenn Du selbständig bist. Der finanzielle Schutz ist Geld, das für etwa 6 Monate reicht, um überleben zu können. Es müssen alle laufenden Kosten abgedeckt werden können, z.B.:

  • Miete, Hypotheken
  • Strom
  • Versicherungen
  • Haushaltsgeld/Essen
  • Telefon
  • Kredite
  • evtl. Altersvorsorge
  • sonst. festlaufende Verträge

Natürlich kann man sich in der Zeit, in der man von seinem finanziellen Schutz lebt, noch weiter einschränken. In der Zeit kannst Du Dich dann ganz in ruhig nach neuen Möglichkeiten umschauen oder auch zum Kräfte sammeln in einem preiswerten Land wie Asien Urlaub machen. Du kommst so nicht in Not, das erstbeste Angebot annehmen zu müssen, da Du immernoch Wahlmöglichkeiten hast.

Ich bräuchte monatlich etwa 1.500 Euro. Mein benötigter finanzieller Schutz beträgt (x 6 Monate) ca. 9.000 Euro. Idealerweise sollte ich das Geld natürlich am besten physisch griffbereit gelagert haben (im Safe) oder auf Tagesgeldkonten täglich verfügbar und sicher geparkt haben. Ich muss aber zugeben, dass das bei mir im Moment nicht der Fall ist. Ich habe immer soviel Bargeld, dass ich einen Monat überleben kann. 9.000 Euro an sicheren Anlagen habe ich aber nicht, da der Markt momentan so verlockend ist. Ich könnte aber sehr schnell eincashen und könnte locker 6 Monate überleben. Insofern bin ich momentan sehr gelassen.

Ist das auch bei Dir der Fall?



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6 Reaktionen zu “Aus aktuellem Anlass: Jobsicherheit & finanzieller Schutz”

  1. Tilman

    Jetzt rächt es sich, keinen Betriebsrat zu haben. Der hat nämlich bei Entlassungen ein Wörtchen mitzureden. Erinnert mich an vor 7 Jahren: viele Leute, die in “modernen internet Firmen” gearbeitet hatte, wurden von einem Tag zum anderen “sehr modern” per mail oder SMS entlassen. Ohne Sozialplan.

    Natürlich ist die Outsourcing-Idee Schwachsinn. Aber die Leute, die solche Entscheidungen treffen, denken in Zahlen (Stundenlöhne), und nicht in “emotionalen” Werten wie Kundenbindung, Erfahrung, Teamgeist, etc.

  2. webmaster@pfblog.de

    Tja, eine Strategie ist natürlich auch, kurzfristig einen zu gründen. Aber wir müssen uns erstmal mit GmbH-Recht ein wenig auseinandersetzen. Ganz spannend eigentlich alles. Mal sehen, was passiert…

  3. dani

    Um deine Frage zu beantworten. Ja ich habe einen Notgroschen auf der Seite, wobei ich den demnächst für meine “Auswanderung” brauchen werde.
    Aber mir ist es persönlich schon auch wichtig, immer noch was auf der Seite zu haben. Auch wenns vielleicht dann nicht mehr für 6 Monate reicht. Vielleicht noch für 2 oder so ;-)

    Übrigens: interessanter Blog. Bin eben erst Gestern irgendwie hier her gelangt. Aber ich komm bestimmt öfters mal wieder…

  4. Max

    Warum kauft ihr Euch nicht die GmbH, in der ihr jetzt arbeitet? Vielleicht mit Hilfe eines VCs oder einem Förderkredit? Oder möchtest du unbedingt neu gründen?
    Wie ist der aktuelle Stand?

    Ich glaube es kommt auch auf die eigenen Netzwerkkontakte an, die man in der Zeit entwickelt hat. Manche bekommen ja schon während der einen Arbeit neue Jobs angeboten und können dann in nur 2 Monaten bequem wählen, ohne Abstriche machen zu müssen. Ich gebe aber zu, das ist sehr Branchenabhängig.

  5. webmaster@pfblog.de

    Hi Max,

    nach einigem hin- und her konnten wir die Sache noch abwenden. Anscheinend hat man sich nach amerikanischer Art die Sache nicht ganz durchgedacht, bevor man sie kommuniziert. Mit einer Senkung der Personalkosten gehen ja auch die Umsätze verloren, die die Ressourcen erzielen..

    Ansonsten wäre Dein Vorschlag eine valide Option gewesen. Ich bin aber nicht sicher, ob ich tatsächlich mitgemacht hätte, denn mir fehlt dafür die 100%tige Leidenschaft.

    Die Lehre, die ich daraus gezogen habe, ist aber auf jeden Fall, dass ich schon jetzt Vorbereitungen treffen muss, um dann sofort den Absprung zu machen. Und zwar in etwas, was 100% meine Sache ist.

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