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Ich weiß nicht, ob Du schonmal an einer Hauptversammlung teilgenommen hast. Der Besuch der Hauptversammlung der Deutschen Post am 06. Mai 2008 war jedenfalls meine erste Hauptversammlung. Mein Bericht ist deswegen sicherlich nicht an die Hauptversammlungs-Profis gerichtet, sondern adressiert Dich eher, wenn das Thema für Dich neu ist. Die “Eintrittskarte” habe ich mir am 24. Januar besorgt: Eine Namensaktie der Deutschen Post mit WKN 555200 zu einem Kurswert von 21,23 EUR. Da es sich um eine Namensaktie handelt ist bei der Deutschen Post auch meine Adresse in das Aktienregister eingetragen worden, an die ich wenig später die Einladung zur Hauptversammlung bekam. Diese enthielt auch die Tagesordnungspunkte, über die in der HV abgestimmt werden muss. Als ich dort ankam, glaubte ich der Einzige zu sein, der Urlaub genommen hatte. Denn neben Fondsmanagern und Kleinanlegerschutzvertretungen waren nur Rentner anwesend.
Nach einer Sicherheitskontrolle, an der ich auch meine Stimmkarte bekam, kam ich schon in die nächsten Schlangen. Viele wollten noch das Frühstück ergattern- eine Brezel und Kaffee. Danach ging es weiter in die zu 50% gefüllte Kölnarena. Ich bekam noch einen Platz sehr weit vorne und hatte einen sehr guten Blick auf den Vorstandsvorsitzenden Frank Appel. Einem ehemaligen McKinsey mit Chemiestudium, der den Kollegen abgelöst hat, der seine Gelder nach Liechtenstein verfrachtet hat. Er eröffnete auch die Versammlung mit einer umfassenden Rede um die Konzernentwicklung und Ausblicke. Anschließend gab es eine Fragenrunde. Jeder Aktionär bzw. Aktionärsvertreter -auch ich- hätte mich zu Wortmeldungen anmelden können. Es gab etwa 10 Wortmeldungen. Eine Wortmeldung kam von einer Briefträgerin, die über die üblen HR-Praktiken des Unternehmens sprach. Eine andere vom Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (http://www.sdk.org/), der die Interessen vieler Kleinanleger vertrat, die ihr Stimmrecht an die Gemeinschaft übertragen hatten. Ein anderer Aktionär beschwerte sich über das spärliche Frühstück… Die meisten Fragen jedoch bezogen sich auf das Expressgeschäft in den USA, das vor einigen Jahren gekauft wurde und große Verluste produziert. Das ist auch der Hauptgrund für den Verlauf des Aktienkurses:
Alle Fragen wurden während einer mehrstündigen Antwortsession von Dr. Frank Appel beantwortet, allerdings wurden Informationen über das US-Expressgeschäft nicht herausgegeben. Bei Fragen nach Kaufpreisen, Wertberichtigungen der Beteiligung am US-Expressgeschäft oder damit zusammenhängenden Verlusten wurden keine Antworten gegeben. Dass trotz aller Rechnungslegungsvorschriften (HGB, IAS, US-GAAP) das Verschweigen so wichtiger Informationen nicht zwingend vorgeschrieben ist, hat mich erstaunt. Mit vielen Zukäufen der DPWN wurde außerdem so verfahren, dass diese im Konzern vollkonsolidiert oder mit anderen Einheiten verschmolzen wurden, so dass keine Vergleichsmöglichkeiten für die Entwicklung der Beteiligung mehr möglich sind (obwohl das interne Controlling diese Zahlen wahrscheinlich besitzt…). Die Ankündigung vier Wochen später, im US-Expressgeschäft mit dem Konkurrenten UPS zusammen zu arbeiten, hat die Aktie dann endgültig abstürzen lassen (siehe Chart oben). Beim Verlassen der HV durfte jeder seine Stimme zu den Tagesordnungspunkten abgeben. Dies betrifft natürlich nur Punkte, über die gemäß Satzung oder Aktiengesetz auf einer HV abgestimmt werden muss. U.a. wurde auch über die Höhe der Dividende beschlossen, die mit 90 Cent beim damaligen Kurs eine Dividendenrendite von 4% ausmacht. Beim jetzigen Kurs der Aktie wären es sogar 6% gewesen. Und die ging auch prompt am nächsten Tag auf meinem Depot ein. Insgesamt eine sehr interessante Veranstaltung. Zumindest weiß ich jetzt, wie eine Hauptversammlung aussieht. Eine Zusammenfassung aller Informationen ist erhältlich auf der DPWN-Investorenseite. Dort kannst Du auch den Videostream der Veranstaltung abrufen. |
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7 Reaktionen zu “Besuch der DPWN-Hauptversammlung”Einen Kommentar schreiben |
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Am 28. Juni 2008 um 01:46 Uhr
Vielleicht stehe ich gerade auf dem Schlauch, aber was sind “HR-Praktiken”?
Am 28. Juni 2008 um 06:47 Uhr
HR=human resources. Managerenglisch für Personalabteilung. Manche Unternehmen beschäftigen nicht mehr Mitarbeiter, Personal, Kollegen, Menschen, sondern beliebig austauschbare “resourcen”, die lediglich ein Preisschild tragen und die man nach Bedarf einkaufen und einsetzen möchte. Blöd nur, dass manche dieser “resourcen” manchmal aufmucken, ja sich sogar mit anderen resourcen zusammentun.
Am 29. Juni 2008 um 14:37 Uhr
Ich wünsche mir, dass du folgende Punkte näher beleuchtest:
1. Heirat einer reichen Frau
2. Teilnahme bei “Wer wird Millionär?”
Am 29. Juni 2008 um 15:56 Uhr
Ok, nun lass es mich kurz erläutern:
1. Das Spiel geht eigentlich nur anders herum. D.h. Frau sucht reichen Mann. Meist endet das darin, dass 50% des Vermögens bei dem Vorgang “Scheidung” verloren gehen, der in einer solchen Konstellation mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem gegebenen Zeitpunkt nach der Hochzeit eintritt (->Paul McCartney).
2. Quark. Glückspiel in der einen oder anderen Form ist nichts für mich. Zumindest am Anfang werden die Leute ja willkürlich gepickt.
Am 29. Juni 2008 um 16:20 Uhr
Nicht 50% des Vermögens, sondern 50% des “Zugewinns” (d.h. Vermögenszuwachs nach der Heirat). Dagegen hilft nur ein Ehevertrag.
Am 30. Juni 2008 um 20:52 Uhr
“Das Spiel geht eigentlich nur anders herum. D.h. Frau sucht reichen Mann.”
Na na na.
Am 7. Juli 2008 um 09:54 Uhr
Hey Liz, ganz so war das ja auch nicht gemeint. Ich weiß, es gibt Ausnahmen, zu denen Du wahrscheinlich auch gehörst :)