Wie die Finanzkrise zu einer Kündigung führte

Es soll ja auch spannend bleiben auf diesem Blog. Deswegen eine kleine Geschichte darüber, wie das Management einer Venture-Capital-finanzierten Company plötzlich den Rotstift zog und damit das ganze europäische Business auslöschte. (Anmerkung: Die Ausführungen sind so gestaltet, dass die Identitäten juristischer und natürlicher Personen geschützt bleiben.)

Es war einmal… ein schlauer amerikanischer Wissenschaftler, der etwas erfand, mit dem Unternehmen viel Geld sparen können. Er suchte sich Venture-Capital, um auf Basis dieser Idee ein Unternehmen aufzubauen. Sogar im Jahr 2000 bekam er dafür Kapital. Außerdem wurde ihm ein scheinbar fähiges Managementteam zur Seite gestellt. Das Konzept ging auf, sparte den Fortune 500 sehr viel Geld ein und die Firma wuchs. Etwa vier Jahre später wurde von Amerika nach Europa expandiert, indem eine “Satellitenorganisation” in Deutschland gegründet wurde, um den europäischen Markt zu bearbeiten. Auch diese deutsche Tochter verzeichnete jährlich dreistellige Zuwächse beim Umsatz und in der Mitarbeiterzahl. Ihr schloss sich auch jemand an, der einen recht “sicheren” Job in einem großen Beratungshaus gegen einen Job in diesem Startup eintauschte.

Ab 2006 entwickelte das C-Level brillante Ideen, wie durch Erschließung neuer Geschäftsfelder die Umsätze raketenartig in die Höhe schnellen sollten. Mehrere Millionen Dollar wurden investiert für die Entwicklung neuer Lösungen und ihren Vertrieb. Das Ziel, Cashflow-positiv zu werden, rückte zunächst in den Hintergrund, denn die potentiellen Umsätze waren sehr verlockend.

Die Umsatzzuwächse kamen aber nicht. Stattdessen musste das Ursprungsgeschäft die sinnlosen Aufwendungen mittragen. Aber das reichte nicht, und so wurde immer mehr Cash verbrannt. Es kam zu Entlassungswellen und zur Suche nach neuen Investoren. Leider fiel die Suche nach neuen Investoren in eine Zeit, in der in Amerika das begann, was landläufig unter dem Begriff “Finanzkrise” bekannt wurde. Es fand sich ein sehr renommierter Investor und nach einer ausführlichen Due Diligence des Zielunternehmens wurde die Unterschrift auf den 17. September angesetzt- höchste Eisenbahn, denn das Geld wurde knapp.

Zu dieser Unterschrift kam es nicht. Zwei Tage vorher, am 15. September, ging Lehman Brothers pleite. In allen großen Investmentbanken wurde Unterschrifts- und Investitionsstopp verhängt. Statt der Unterschrift am 17. September gab es nur ein wenig Fremdkapital. Um mit diesem Kapital zu überleben, musste das Unternehmen so schnell wie möglich Cashflow-positiv werden- koste es, was es wolle. Ohne Überlegung wurde radikal gestrichen. Genauso wie vorher ließ das C-Level bei dieser Übung durchblicken, dass betriebswirtschaftliche und mathematische Kenntnisse nur mangelhaft vorhanden waren. Z.B. wurde übersehen, dass Umsätze und Kosten miteinander zusammenhängen und dass Umsätze zusammenbrechen, wenn man den Kostenfaktor (den Personalaufwand für Vertrieb und Projektdurchführung) wegstreicht. Auch die in Deutschland gegründete Tochter, die mit ein paar Angestellten in Europa mehrere Millionen Umsatz erwirtschaftete, fiel dem Kostensenkungsprogramm zum Opfer.

Das ist übrigens keine Geschichte sondern die Wahrheit. Ich war live dabei, als verkündet wurde, dass die europäischen Aktivitäten -also die GmbH- aus betriebsbedingten Gründen ihre Geschäftstätigkeit zum 31.12. einstellen wird. Mir liegt seit gestern sowohl eine ordentliche Kündigung (einseitig, vom Arbeitgeber unterzeichnet) und ein Aufhebungsvertrag vor, dessen Erhalt ich lediglich quittiert habe. Der Aufhebungsvertrag sieht quasi eine Freistellung bis Jahresende und die Zahlung einer Abfindung vor. Das erste was man anscheinend nach Erhalt einer Kündigung zu tun hat ist beim Arbeitsamt sich innerhalb von einer Frist von drei Tagen zu melden, das habe ich heute getan.

Die nächste Zeit wird spannend. Zum einen müssen die Dokumente von Anwälten durchgesehen und geprüft werden. Zum anderen bleiben uns jetzt sehr viele Optionen, zwischen den wir wählen können, was die Zeit danach anbelangt. Sicherlich werde ich mir auch mal die Zeit nehmen, mich ausführlich mit dem Thema “Arbeitslosigkeit” beschäftigen. Ein Thema, dass nicht unmittelbar zu diesem Blog passt, aber auch irgendwo dazu gehört. Jetzt besteht die Chance für mich, mein Leben zu verändern und mein Kopf prüft jetzt schon alle Optionen, die irgendwo zwischen absoluter Jobsicherheit und Selbständigkeit liegen.

Zum Schluss zwei Gedanken, die mir heute und gestern durch den Kopf gingen:

  1. Jobsicherheit gibt es nicht mehr (außer im Beamtentum). Solange Dir nicht ein Unternehmen mit einem Mehrheitsanteil gehört bist Du der Spielball der Inhaber bzw. Geschäftsführer. Nach einer Kündigung als Angestellter nimmt man nichts mit, außer eventuell eine Abfindung. Man hat keinen Firmenwert geschaffen, der einem gehört- man hat lediglich seine Zeit für Geld eingetauscht. Man hat also kein “Asset” aufgebaut.
  2. Finanzielle Sicherheit ist ein Muss für jeden: Ich bin jung, gut qualifiziert, lokal ungebunden und finde daher immer einen Job. Bei den älteren Kollegen ist das nicht unbedingt der Fall und unter Umständen ist man bei Kündigung im höheren Alter bis zu seiner Rente auf staatliche Stütze angewiesen. Um so eine Situation zu vermeiden, muss jeder möglichst schnell die finanzielle Sicherheit erreichen, d.h. einen Zustand, in dem Du von den Zinsen auf Dein Kapital leben und alle Kosten decken kannst. Heute ist finanzielle Sicherheit längst keine Option mehr, sondern ich sehe sie als eine Pflicht für jeden Einzelnen.

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11 Reaktionen zu “Wie die Finanzkrise zu einer Kündigung führte”

  1. Tilman

    Frag doch ob Du PCs, Schreibtische und Stühle kaufen kannst :-)

  2. webmaster@pfblog.de

    Aber hallo!

    Das einzige, was keiner gebrauchen können wird, ist ein “Cisco Packeter”, der vor ein paar Wochen noch ins Office gestellt wurde. Seine einzige Aufgabe ist, irgendwelche IP-Protokolle zu komprimieren um so die Verbindung ins US-Office zu beschleunigen. Kostenpunkt: 40.000 Euro. Du hast nicht zufällig Interesse, diesen Teil zu einem Sonderpreis von 39.000 Euro abzunehmen? ;)

  3. 00Schneider

    Hallo!
    Du wusstest doch, dass der Job nicht sicher ist (Post von vor einem Jahr). Das ist ja wie überall: Rendite kommt über Risiko. Dass das Wahrscheinlichkeit hoch aber die Auswirkungen bei Dir begrenzt sind hast Du ja selbst geschrieben, deshalb mache ich mir auch keine Sorgen um Dich und Dein Ziel. Im Post “Erfolg & Leidenschaft” beschreibst Du ja Deine geheimnisvolle Weiterbildung, vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, deiner eigentlichen Leidenschaft (Darsteller in der Erwachsenenunterhaltung) nachzugehen.
    Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
    00Schneider

  4. maksFIN

    Ach ja, eine nette Gutenachtgeschichte für all die jenigen, die glauben so ein Angestelltendasein wäre der Stein der Weisen , was die Jobsicherheit anbetrifft :) Wenigstens kannst du jetzt ausschlaffen :)

  5. Peter

    wie du selber sagst, musst du diese Situation (die bestimmt unangenehm ist) als Chance sehen… du hast ja schon öfter mal über selbständigkeit nachgedacht … :)

    wünsch dir auf jeden fall viel glück

  6. Aqua

    Genieß den Duft der Freiheit und vergiss nicht: Alles was Du besitzt, besitzt irgendwann Dich ;)

  7. CashBlog-News vom 31.10.2008 « Erfolg, Geld, Marketing, News, SEO « CashBlog

    [...] 1. Million: Wie die Finanzkrise zu einer Kündigung führte Nun werden wir erstmal lesen wie man es schafft, seine Arbeitslosigkeit schnellst möglich zu [...]

  8. forex_user

    Ausführliche Infos zum Thema Devisenmarkt wie Forex Trading, Forex Broker, Forex Software und mehr gibt es im Blog: http://www.forex-direkt.de/

  9. Frank

    Pass beim Aufhebungsvertrag auf. Die Arbeitsagentur streicht gerne Arbeitslosengeld, auch wenn es alternativ zu einer “Betriebsbedingte Kündigung” gekommen wäre.

    Geniess die Freiheit mal richtig auszuschlafen! :)

    Ach so, die Idee mit der Chance:
    1 Jahr Arbeitslosigkeit, danach 6 Monate Überbrückungsgeld – jeder dumme Wirtschaftsprüfer gibt Dir kostenlos einen Stempel unter das blödeste Geschäftsmodell, wenn es nur halbwegs plausibel erscheint, denn die brauchen ja auch Kunden – danach muss der Laden laufen. Verkauf ist halt alles. :)

  10. Paul Menke

    Anmerkungen zu Deinen Gedanken:
    1. Jobsicherheit gibt es nicht
    Nun ja, wir gehen alle Jahre wieder durch eine Rezession, Wirtschaftszyklen halt, und da wird alles immer ein wenig durcheinander gerüttelt. Dieses Mal trifft es alle härter als sonst.j Aber die Jobsicherheit, von der mein Vater noch gesprochen hat, die gibt es schon länger nicht mehr.
    Im Moment führt das zu Angst, was Arbeitgeber eben ausnutzen um für sich die besten Konditionen herauszuschlagen. Die Frage nach der finanziellen Absicherung ist eben genau der Grund, warum diese Angst ausgelöst wird…

  11. FOREX SEMINARE

    Man kann Geld auch online mit Forex verdienen. Alle Infos unter:
    http://www.forex-trading-seminare.de

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