Aufklärung zur schlechtesten Geldanlage der Welt

Heute geht es um ein besonderes Schmanckerl am Investmenthimmel. Es handelt sich um eine langfristige Geldanlage eines sehr glaubwürdigen Emittenten, der eigentlich nicht pleite gehen kann. Die meisten Deutschen finden diese Anlage so klasse, dass sie recht früh mit der Ansparphase beginnen.

Spätestens mit 27 Jahren realisiert der gemeine Bürger, um welche Anlage es sich handelt- vorausgesetzt, er hat bereits 5 Jahre “eingezahlt”. Bei einem zweiten Blick entpuppt sich diese Anlage als die wohl schlechteste der Welt: Die deutsche gesetzliche Rentenversicherung. Denn der Brief der Deutschen Rentenversicherung mit dem Titel “Ihre Renteninformation” zeigt nicht nur die erwartete monatliche Rente (Seite 1), sondern auch das “investierte Kapital” bzw. die bisher eingezahlten Beiträge (Seite 2)- eine Renditeberechnung ist somit leider möglich.

Als Beispiel für eine Renditeberechnung ziehen wir meinen eigenen Rentenbescheid von 2008 heran:

Renteninformation (1)

Renteninformation (1)

Dass meine heutige Rentenanwartschaft nach 4,5 Jahren Beitragszahlung 180,61 Euro beträgt, finde ich noch nicht so schlimm. Schließlich bleiben bis zum 67. Lebensjahr noch fast 37 Jahre Zeit, in denen sich mein gegenwärtiger Nettowert von 66.272,75 Euro bei 7,61% p.a. (nach Steuer) angelegt auf 1.000.000 Euro steigert. Bei gleichbleibender Rendite ist mir ein passives monatliches Zusatzeinkommen von 6.341 Euro garantiert. Auf die staatliche Rente kann ich also gut verzichten.

Nun kommt aber der harte Teil. Wir werfen ein Blick auf die bereits eingezahlten Rentenbeiträge:

Renteninformation (2)

Renteninformation (2)

Macht in Summe bis Ende 2007: 39.154,16 Euro an Rentenversicherungsbeiträgen. Inklusive Beiträge in 2008 in Höhe von 12.656,40 Euro steigt die Summe der eingezahlten Beiträge auf 51.810,56 Euro! Fast so viel wie mein Nettowert bis heute. Die eingezahlten Rentenbeiträge führe ich ja nicht in meiner Bilanz mit auf, denn sie sind quasi wertlos, wie folgende Berechnungen zeigen:

  1. Der Staat garantiert mir heute 12 x 181,61 Euro = 2.179.32 Euro jährlich. Das entspricht auf mein eingezahltes Kapital einer Rendite von immerhin 5,57%. Dabei ist aber der Inflationseffekt noch nicht berücksichtigt. Denn in den 37 Jahren, die ich auf die Auszahlung warten muss, reduziert sich meine monatliche Kaufkraft bei einer Inflationsrate von 4% (wie letztes Jahr im Euroraum gemessen) auf stolze 42,55 Euro. Schlecht.
  2. In der zweiten Rechnung gehe ich mal vom traumhaften Szenario der heutigen Auszahlung aus. Die 39.154,16 Euro bei sehr konservativen 4% angelegt ergeben so zur Regelaltersgrenze in 37 Jahren 167.113,47 Euro. Davon 5,57% entnommen ergeben monatlich 775,68 Euro. Entspricht bei 4% Inflation einer zukünftigen Kaufkraft von immerhin 181,74 Euro.

Wenn ich noch lange weiter schreibe, dreh’ ich durch. Deswegen nur kurz ein paar mögliche Lösungsansätze:

  1. Erst nach 5 Jahren versicherungspflichtiger Zeit (es zählt auch Studium und Zivildienst…) entsteht ein Versicherungsanspruch. Davor kannst Du Dir die eingezahlten Beiträge rückerstatten lassen und z.B. auswandern! Für mich leider zu spät.
  2. Selbständig machen. Selbständige dürfen in die gesetzliche Versicherung einzahlen, müssen aber nicht. Wer die Chance hat, stattdessen für sich selbst vorzusorgen, sollte das tun.
  3. Statt legal verdienen lieber schwarz verdienen.

Anlass dieses Beitrags war übrigens die Kontenklärung. Einige Versicherungszeiten werden nämlich nicht automatisch gemeldet, wie z.B. Zivildienst und Studium. Durch Kontenklärung erhälst Du die Möglichkeit, die von der Deutschen Rentenversicherung erfassten Zeiten mit Deinen Meldebescheinigungen zur Sozialversicherung abzugleichen. So verlierst Du möglichst wenig wertvolle bzw. -lose Versicherungszeiten. Einen Antrag auf Kontenklärung erhälst Du z.B. telefonisch unter der 0800-100048012.

Prognosen und gute Recherchen liefert übrigens Bodo Schäfers Buch K(l)eine Rente…na und?, nebst den zahlreichen anderen Lektüren zu diesem Thema. Was mit Deinem und meinem Geld passiert (umgelegt statt angelegt) ist unverantwortlich von der Regierung. Bekommen wir hier genug Protestkommentare zusammen, werde ich sie gesammelt an Angie schicken und mich beschweren, um eine Versicherungsfreiheit für alle zu erzwingen. Da das aber unwahrscheinlich ist, ist jeder einzelne von uns heute umso mehr in die Pflicht genommen, finanzielle Sicherheit bzw. Freiheit so früh wie irgend möglich zu erlangen, um nicht in Armut “dahinzuvegetieren”. Wahrscheinlich ist die Regelaltersgrenze in 20 Jahren schon auf 80 Lebensjahre angehoben- wolltest Du dann noch arbeiten müssen? Ich nicht, zumindest nicht “müssen”.

Verwandte Artikel

Willst Du auf dem aktuellen Stand von pfblog.de bleiben? Dann abonniere den Feed!
Add to Google Reader or Homepage Subscribe in Bloglines Add to netvibes
Webnews   Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen   Diesen Artikel auf YiGG anzeigen/einstellen yigg it!

3 Reaktionen zu “Aufklärung zur schlechtesten Geldanlage der Welt”

  1. Christoph Ostermann

    Die Headline trifft den Nagel auf den Kopf. Mein aktueller Rentenbescheid ist der Beweis. Ueber 13.000 EUR haben meine Arbeitgeber und ich in die Rentenkasse gezahlt (ich war zum Glueck nur am Beginn meiner Karriere Angestellter) und im Jahr 2040 (!!) werde ich dafuer stolze 68,99 EUR Rente erhalten. Das werden dann eine Rendite von 6,3% sein. Aber DAVOR habe ich 31 Jahre lang GAR KEINE Rendite erwirtschaftet…

    Wer uebrigens wirklich auswandern und dort seine Rente geniessen will: Ich habe vor Kurzem ein Video-Interview mit der Deutschen Rentenversicherung gefilmt:

    http://www.auswandern.de/interview/auswandern-rente

    Ueber eine Verlinkung von Deiner Seite wuerde ich mich freuen.

    Danke, Christoph

  2. webmaster@pfblog.de

    Hi Christoph,

    wie lange warst Du denn Angestellter und mit was hast Du Dich dann selbständig gemacht?

    Kannst Du uns ein bißchen darüber erzählen, wie Du jetzt selbst vorsorgst und wie Du aus der gesetzlichen Entfliehen konntest? Du kannst Dich auf jeden Fall glücklich schätzen, dass Du jetzt nicht mehr einzahlen musst. Dann ist frühes Auswandern auch kein Problem mehr :)

    Gruß

  3. Donald Duck

    Krass, dass dir nach 4,5 Jahren schon fast 700€ Rente wegen voller Erwerbsminderung zustehen würden.

Einen Kommentar schreiben